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Reste einer barocken Kasernenanlage entdeckt

Während der Aushubarbeiten zur Erweiterung der Bibliothek der Hochschule Ansbach fanden die Bauarbeiter im August 2010 ungewöhnliche Reste. Die Bauarbeiten wurden sofort gestoppt: ein in Ansbach in Vergessenheit geratener Friedhof – Teil einer barocken Kasernenanlage mit Kirche – wurde wieder entdeckt. Zusammen mit dem  Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wurde die Freilegung und die Dokumentation der Funde realisiert. Die archäologischen Arbeiten werden noch bis Ende September andauern. Anschließend werden von der Grabungsleiterin Frau Nürnberger und ihrem Team noch Pläne erstellt, dann wird der Erweiterungsbau der Bibliothek fortgesetzt werden. 

Auf dem, ursprünglich von C. F. von Zocha 1724 -1726 errichteten, Kasernengelände wurde ein ehemaliger Friedhof gefunden, vermutlich in Nähe einer vormals vorhandenen Kirche „für protestantische Soldaten“. Die barocke Kaserne wich wohl den Neubauten im Zusammenhang mit der Errichtung der Hindenburgkaserne (ab 1900/01).
Zum Vorschein kamen nun die Reste eines Militärfriedhofs, dessen Kirche 1726 geweiht wurde. Dies geht aus den Archiven der Stadt Ansbach hervor. Im Urkartaster der Stadt Ansbach aus dem Jahre 1826 ist der Friedhof eingezeichnet. Die Lage der Kirche wird nicht näher beschrieben.  In der Publikation "Ansbach - Geschichte einer Stadt" von Hermann Dallhammer (1993) wird eine Kasernenkirche für protestantische Soldaten erwähnt (vgl. Seite 118). 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Bis jetzt wurden 70 Gräber entdeckt, davon eines von einer Frau.  Zudem fanden sich auch mehrere Kindergräber.  Enige Gräber wurden in Trapezform gemauert. Dass die Toten in Särgen begraben wurden, beweisen einige Funde von Sargnägeln.

Zudem wurden Grabsteine freigelegt, einer von ihnen stammt aus dem Jahr 1856, dessen Inschrift ist auch noch zu lesen.
Aktuell stellt sich die Frage, ob eine Chronologie innerhalb des Friedhofs nachzuvollziehen sein wird. Die exakte historische Einordnung des Friedhofs steht grundsätzlich noch aus und kann evtl. durch das Militärarchiv in München konkretisiert werden. Die gefundenen Gebeine werden in der Anthropologischen Staatssammlung in München archiviert.
Zudem wird eine spannende Kooperation zwischen dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Hochschule Ansbach entstehen. Knochen können Informationen über Ernährungs - und Gesundheitszustand von Menschen geben. So konnte gezeigt werden, dass bereits in der Antike das Antibiotikum Tetrazyklin mittels speziell zubereitetem Bier den Menschen zugeführt wurde (Nelson et al. 2010). Andere Quellen gehen davon aus, dass das Antibiotikum durch bakteriell verunreinigtes Getreide in die Nahrung der Menschen kam (Maggiano et al. 2006). Anhand der Knochenfunde wird Frau Prof. Dr. Sibylle Gaisser von der Hochschule Ansbach (Studiengang Industrielle Biotechnologie) untersuchen, ob auch unter den klimatischen Bedingungen in Franken das Antibiotikum Tetrazyklin in der Nahrungskette vorhanden war.

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